Wird dir alles zu viel? - Meine Tipps bei Überforderung und Gedankenchaos

Wir alle stehen momentan vor einer ziemlich außergewöhnlichen und mitunter strapaziösen Situation. Corona hat uns überrascht, erschüttert und zwingt uns, unseren gewohnten Alltag zu verlassen.

Egal wie sehr man versucht, sich den negativen Schlagzeilen und den dramatischen Zahlen zu entziehen, ein Tröpfchen Sorge, ein Funken Angst bleibt - ob bewusst oder unbewusst.

Kommen noch andere Sorgen und Gedanken hinzu, steht sie möglicherweise bald vor der Tür: die Überforderung.

Ganz besonders bei sehr sensiblen, feinfühligen Menschen ist dies schnell der Fall - davon könnte ich ganze Lieder singen.


Bei mir klopfte neulich unerwartet die Überforderung mit einer Überraschungs-Migräne an die Tür - na vielen Dank auch! Doch so ätzend diese nervigen Symptome, wie z.B. Migräne, Kopfschmerzen, Demotivation, Übelkeit öder etwas Derartiges, auch sein können, so sehe ich sie auch als Zeichen.

Ein Zeichen dafür, innezuhalten und in meinen Körper hineinzuhören. Zu schauen, was mir fehlt und was ich brauche.

Nach 22 Jahren Hochsensibilität kann ich auf einige Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Überforderung und dem niemals enden wollendem Gedankenkarussell zurückgreifen. Angesichts dieser turbulenten Zeiten teile ich diese heute mit dir.


Schreibe es auf

Tagebuch schreiben klingt so unglaublich oldschool, ist trotzdem eine Sache, die ich schon ewig mache. Und es hilft. Schreibe alles auf, was dir auf dem Herzen liegt, was deine Seele quält und deinen Kopf zum Qualmen bringt. Denk nicht zu viel über Formulierungen oder das, was du da eigentlich zu Papier bringst, nach. Lass es einfach ganz frei raus.

Mir hilft es so sehr, meine Gedanken einmal zu Ende zu denken und aus dem Kopf aufs Papier zu bringen. Es muss niemand lesen - und wenn dir wohler dabei ist, kannst du den Zettel auch verbrennen.



Sei ehrlich zu dir

Wenn du alles einmal aufgeschrieben hast, steht da eventuell eine ganze Menge. Vielleicht ist es eine bunte Mischung aus Erwartungen und Befürchtungen, Projekten und Ideen, Vorsätzen und Zielen und einer ganzen Menge Gefühl.

Erkenne all dies an. Es ist da, und es ist okay (und ich weiß, das sagt sich manchmal leichter, als es tatsächlich ist!).

Aber Hand aufs Herz: Du musst nicht alles schaffen, du musst es nicht allen recht machen, du musst nicht immer stark sein! Schau genau hin, ob es etwas gibt, das dich stresst, das dir nicht dient und das du loslassen kannst.


Prioritäten setzen

Hast du zu viel auf dem Zettel? Die Arbeit, das neue Projekt, ein paar neue, tolle Ideen, die Yoga-Stunden, der Vorsatz gesund zu leben und der Wunsch, jeden Tag Zeit für dich und auch für deine Freunde zu haben...

Was davon ist dir jetzt gerade wirklich wichtig?

Was kannst du auf später verschieben, wenn du mehr Zeit und Energie dafür hast?

Wo kannst du im Moment etwas kürzertreten, gibt es etwas, das du an andere abgeben kannst?


Eine Methode, die dir beim Prioritäten setzen helfen kann, stammt aus dem Buch "Die 7 Wege zur Effektivität" von Stephen R. Covey.

Erstelle dafür eine Tabelle, bestehend aus 2x2 Feldern.

  • Das erste Feld enthält wichtige und dringende Aufgaben. Das sind kleinere und größere Probleme, die gelöst werden müssen, weil es sonst sehr heikel wird. Diesen Aufgaben messen wir eine sehr hohe Wichtigkeit bei, dabei sollten wir unser Augenmerk vermehrt auf Feld 2 legen.

  • Denn im zweiten Feld finden wichtige, aber nicht unbedingt dringende Aufgaben Platz. Darunter fallen Dinge wie ein Netzwerk aufbauen, Zeit mit der Familie verbringen oder zum Sport gehen. Alles, was in diesem Feld steht, wird früher oder später den größten Einfluss auf dein Leben und auch auf deine Zufriedenheit haben. Covey behauptet außerdem, die Aufgaben im ersten Feld - welche uns häufig stressen - schwinden, je mehr wir uns auf das zweite Feld konzentrieren.

  • In dem dritten Feld notierst du dringende, aber unwichtige Aufgaben. Beispielsweise ein klingelndes Telefon (welchem in unserer Gesellschaft viel zu viel Wichtigkeit beigemessen wird). Diesem Feld solltest du möglichst wenig Aufmerksamkeit schenken, denn diese Dinge bringen dich nicht weiter.

  • Zu guter Letzt werden weder wichtige, noch dringende Aufgaben im letzten Feld notiert. Hier handelt es sich um Dinge, die dich lediglich Zeit und Energie kosten, die du also am besten abgibst oder komplett von deiner Liste streichst.



Warum sind Prioritäten so wichtig? Führt Effektivität nicht zu mehr Überforderung?

Effektivität versteht Stephen R. Covey - im Gegensatz zu vielen Menschen - nicht als "beschäftigt sein". Effektiv sein bedeutet vielmehr, sein Leben aktiv zu lenken, sich nicht von äußeren Umständen umwerfen zu lassen und sich auf das wirklich wichtige zu konzentrieren.

Seine Tabelle bezieht sich stark auf die Arbeit, du kannst sie allerdings auch über deine Aufgaben und To-Dos hinaus nutzen. Schaue genau, mit welchen Gedanken und Gefühlen du dich beschäftigst. Wie kannst du sie einordnen? Was ist wirklich wichtig für dich und was raubt dir deine Zeit und Energie?

Überlege dir, welche Schritte du unternehmen kannst, um dich immer mehr auf das zweite Feld konzentrieren zu können.


Reden hilft

Falls Gedanken in deinem Kopf kreisen oder sich Ängste und Sorgen breit machen, dann hilft es ungemein, zu reden. Für manch einen ist es das Normalste der Welt, manch anderem fällt dies schwer. "Bloß keine Schwächen zeigen!", lautet häufig die Devise. Doch sprich die Dinge aus und erzähle einer Person, der du vertraust, davon. Eine zweite Sicht auf die Dinge hilft manchmal auch, sie in einem neuen Licht zu sehen.


Nimm dir eine Auszeit

Ein Tag oder ein Wochenende können ausreichen, vielleicht brauchst du auch eine Woche Urlaub. Nimm dir die Zeit, die du brauchst, und tue das, was dir jetzt guttut. Nur weil alle sagen, Yoga sei ja ach so toll, muss es nicht unbedingt das Richtige für dich sein. Wenn dir z.B. danach ist, einen ganzen Nachmittag lang Trash-TV zu gucken, weil du dabei wunderbar abschalten kannst, dann tu es! Es geht darum, etwas zu tun, was dir Freude bereitet und dich für eine Weile ablenken kann. Das bedeutet allerdings auch nicht, sich nicht mehr mit deinen Gefühlen auseinander zu setzen und sie stumpf durch Berieselung, Sport oder Arbeit zu betäuben.

Das Handy, den PC und (vor allem in diesen Zeiten) die Nachrichten einmal für eine Weile auszuschalten, kann auch wahre Wunder wirken.



Frische Luft

Ein Spaziergang an der frischen Luft, vorzugsweise in der Natur, kann für wunderbare Klarheit und Frische im Kopf sorgen. Verbinde dich mit der Natur und der Erde, lass deine Gedanken los und halt die Nase in die Sonne.


Schlaf es aus

Bei einer Migräne hilft mir eigentlich nur Eines: schlafen. Da kann es vorkommen, dass ich gute 12 Stunden am Stück schlafe - weil ich es so dringend nötig habe. Wenn dir danach ist, dann tu es. Obwohl schlafen in unserer Gesellschaft teilweise etwas verpönt ist ("Schlafen kann ich, wenn ich tot bin!"), ist es so unglaublich wichtig für unsere Gesundheit. Im Schlaf verarbeiten wir unsere Emotionen und Eindrücke und unser Körper regeneriert sich. Gerade wenn du in letzter Zeit viel erlebt und zu wenig geschlafen hast, ist ein erholsamer Schlaf-Marathon ideal, um deine Energiereserven wieder aufzuladen.


Tanz es aus

Vielleicht bin ich ein etwas zu großer "Greys Anatomy"-Fan, doch die Lieblingsmusik anzumachen und dazu so richtig schön bescheuert zu tanzen hat immer eine positive Auswirkung. In Zeiten, in denen Negativität dominiert, finde ich es extrem wichtig und heilsam, nicht alles so furchtbar ernst zu nehmen. In meinem Fall zapple ich also eine Runde zu den Backstreet Boys und *NSYNC und fühle mich danach um Welten besser.



Meditation und Yoga

Ich weiß, Meditation und Yoga sind mittlerweile das gefühlte Allheilmittel und ganz egal was dein Problem ist: eine Runde meditieren oder ein paar herabschauende Hunde werden es schon richten... Und irgendwie ist da eben auch ein bisschen was dran.

Mein Lieblingstipp für alle, die sich noch nie mit einer der beiden Sachen auseinandergesetzt haben, ist wahrhaftig das Internet. Mittlerweile gibt es unzählige Apps oder YouTube-Kanäle für geführte Meditationen und Yoga-Stunden.

Und um noch ein bisschen unbezahlte Werbung zu machen (weil gerne Dinge teile, die mich begeistern!):

  • Auf dem YouTube Kanal von Mady Morrison findest du Yoga Videos für jede Lebenslage und jedes "Level" (auf Deutsch). Es gibt wunderbare Sessions für Entspannung und Selbstliebe, welche ich bei akuter Überforderung wärmstens empfehlen kann. Sie hat auch ein paar schöne Meditationen parat.

  • Möchtest du das Meditieren ausprobieren? Das kann am Anfang ganz schön schwierig sein. Apps wie "7 Mind" (Deutsch), "Headspace" oder "Calm" (Englisch), bieten dir Unterstützung. Meistens gibt es ein paar kostenlose Meditationen zum reinschnuppern, danach bieten fast alle ein Abo-Modell an. Das braucht man natürlich nicht, auf YouTube findest du wie gesagt auch unzählige Meditationen.

  • Nun muss Meditation nicht unbedingt bedeuten, auf dem Boden zu sitzen und "ooommm" zu summen. Du kannst dich auch bequem aufs Sofa kuscheln, entspannte Musik anmachen und einfach vor dich hin träumen oder dösen. Letztens habe ich Lofi-Beats entdeckt - super entspannend!


Hilfe suchen

Nun habe ich einige Dinge zusammen getragen, welche mir immer helfen, wenn alles zu viel ist. Natürlich hoffe ich, dass auch etwas für dich dabei war.

Trotzdem ist es mir wichtig zu sagen, dass du diese Phase nicht alleine durchstehen musst. Mir ist es wichtig zu sagen, dass es okay ist, falls du aus dieser Situation nicht alleine rauskommst. Vielleicht hast du Gedanken wie "Das sind doch keine echten Probleme!" oder "Anderen geht es viel schlechter als mir!".

Nein.

Deine Probleme sind echt und es ist nicht egal, wie es dir geht. Du darfst dir Unterstützung suchen, wenn du gerade nicht weißt, wo dir der Kopf steht, deine Gefühle dich überwältigen und du das Gefühl hast, nicht klarzukommen!

Es ist okay!


Ein paar abschließende Worte

In unserer heutigen Gesellschaft werden wir permanent mit Eindrücken, News, Herausforderungen und Erwartungen bombardiert. Immer höher, immer schneller, immer weiter. Immer up to date und immer erreichbar. Wir messen uns mit anderen und rennen unseren Zielen hinterher. Extremsituationen wie Corona zeigen uns darüber hinaus, dass unser Leben nicht so unumstößlich ist, wie wir angenommen hatten.

Kein Wunder also, dass man sich von Zeit zu Zeit überfordert oder gar erschlagen fühlt.

Für mich bedeutet das, drei Schritte zurück zu machen und einmal ganz ehrlich zu reflektieren und zu hinterfragen. Muss ich in diesem Wahnsinn mitmachen? Muss ich immer schneller, immer weiter, immer up to date und jederzeit erreichbar sein? Renne ich eigentlich meinen Zielen hinterher? Was ist für mich wichtig?

In meinem Fall ist meine Migräne das Zeichen, etwas zu verändern und wieder mehr zu mir zu finden. Dinge zu tun, die mir guttun. Nicht nur einmal, sondern regelmäßig.



Ich hoffe, dir hat dieser Beitrag gefallen und vielleicht sogar geholfen! Ich gebe mir sehr viel Mühe beim Schreiben meiner Posts, weshalb ich mich wahnsinnig über dein Feedback freuen würde und natürlich auch, wenn du diesen Beitrag teilst.

Alles Liebe und bleib gesund!